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Der Mauersegler

Im Häusermeer braucht der Mauersegler die Hilfe des Menschen

                                               
                     
NABU-Tipp zur Naturbeobachtung:

               Der Mauersegler ? Weltreisender mit Residenz in Afrika

Noch bevor es das Internet gab, surfte er schon durch die Welt. Besser gesagt, er segelte um die Welt: der Mauersegler. Er ist ein Weltreisender und Multitalent: Im Flug kann er fressen, schlafen, sich paaren und spielen. Dieses Jahr sind die ersten Vögel am Montag, den 26. April gesichtet worden. Dies ist eigentlich etwas früh, da er eigentlich erst im Mai bei uns erscheint. Die Klimaveränderung wirkt sich aber auch bei den Zugterminen der Vögel inzwischen sehr deutlich aus. Er hat sich darauf eingestellt, anstatt wie ursprünglich in Felsen, seine Nistplätze heute an Gebäuden zu suchen. Wer den Vögeln helfen will, dem rät die NABU ? Gruppe Waiblingen zu Nisthilfen am Haus. Diese sollten möglichst hoch, am besten direkt unter dem Dachtrauf, angebracht werden. Die Präzisionsflieger benötigen viel Raum unter dem Nest, da sie sich zum Starten metertief fallen lassen. Nur so erreichen sie die nötige Geschwindigkeit für ihren schrägen Aufwärtsflug. Auch die schlitzförmige Nistkastenöffnung sollte im Flug erreichbar sein, da die Mauersegler unmittelbar vor dem Schlitz landen und auch direkt von dort aus starten.

Unter Dachrinnen, in Mauerlöchern und undichten Jalousiekästen baut der Vogel seinen Nistplatz aus Halmen, Samen und Fasern. Die leichten Materialien werden mit klebrigem Speichel überzogen, der schnell hart wird. Die Mauersegler sind sehr gesellige Vögel, die ihre Nester dicht nebeneinander bauen und in Kolonien brüten. Das Weibchen und das Männchen beginnen mit dem Nestbau meistens am Tag der Paarung und beenden ihn, wenn die Jungen schlüpfen. Selbst das Baumaterial sammelt der Mauersegler im Flug. Er ist ein typischer Kulturfolger, immer in der Nähe menschlicher Siedlungen. Im August kehrt er uns wieder den Rücken und fliegt in wärmere Gefilde, wie zum Beispiel ins tropische Afrika. Ab dem zweiten Lebensjahr sind die Mauersegler geschlechtsreif. Sie legen meistens zwei bis drei Eier, die von Männchen und Weibchen ausgebrütet werden. Mitte Mai werden die ersten Eier gelegt, ab Anfang Juli schlüpfen die Jungvögel. Nach zehn bis zwölf Tagen können die Kleinen schon herum klettern. Nach durchschnittlich 40 Tagen fliegen sie aus und kehren nicht zum Nest zurück. ?Es kann also sehr spannend sein, diesem gefiederten Kunstflieger samt Nachwuchs für einige Monate ein Zuhause zu bieten?.

Durch den Bau von immer mehr ?glatten? Hausfassaden verliert der Mauersegler zunehmend seine Lebensräume. Der NABU bittet daher alle Stadtbewohner und Architekten, schon bei Neubau oder Renovierung an die ?gefiederten Kunstflieger? zu denken und für die Mauersegler geeignete Nistplätze zu schaffen. Bei Um- und Neubauten ist dieses praktisch ohne zusätzliche Kosten problemlos möglich. Spezielle Nisthilfen können auch nachträglich angebracht werden und sind im Fachhandel erhältlich.

Was Bauherren, Architekten und Handwerker bei Neubau, Umbau und Sanierung für die wendigen Segler tun können, erfahren Sie in der NABU-Broschüre ?Nistquartiere an Gebäuden?, die beim NABU Ortsverband oder auch beim städtischen Umweltbeauftragten erhältlich ist.

Näheres dazu gibts unter NISTKASTENBAU


Der Mauersegler (Apus apusQuelle:Schweizer Vogelschutz SVS,Zürich

Das Leben der Mauersegler spielt sich im wesentlichen in der Luft und damit im Flug ab. Sie sind nicht nur schnelle, elegante Flieger, die wir beobachten können wenn sie bei ihren Verfolgungsjagden um unsere Häuser jagen. Auch die Paarung und der Schlaf finden oft im Flug statt. So steigen die Mauersegler zum Schlafen in warme Luftschichten in Höhen auf (in Schweden wurden bis 3600 Meter gemessen). Dort schlafen sie in einer Art Gleitflug, der immer wieder von kurzen wenige Sekunden dauernden Phasen des Flügelschlages unterbrochen wird. 

Sie suchen ihre Nahrung und ihr Nistmaterial im Flug, sie trinken im  Gleitflug über einer Wasserfläche. 

Steigen die Mauersegler am Tage in große Höhen auf, so können sie riesige Gebiete überschauen. Bei guter Sicht (Sichtweite von 70%) können sie aus 3000 m ca. 74.000 km² und damit mehr als die Fläche des Bundeslandes Bayern mit ca. 70546 km² überblicken. Aus 900 m Höhe sind dies immerhin noch 25.000 km² das entspricht in etwa der Fläche Hessens mit 21 112 km². 

Mauersegler legen auch große Strecken sehr schnell zurück. Bei verschieden Experimenten wurden einmal 250 km in 4 Stunden und 120 km in 3 Stunden zurück gelegt. Im Rahmen der Balzflüge werden Geschwindigkeiten bis zu 40 m/sec (144 km/h) erreicht. 

Unterarten Vom Mauersegler existieren 2 Unterarten. Der bei uns vorkommende Apus apus apus und Apus apus pekinensis

Verbreitung: Apus apus apus, die bei uns heimische Unterart besiedelt Nordafrika, Europa und in Asien bis zum Baikal. Apus apus pekinensis lebt im Iran, der ehemaligen Sowjetunion und dem Nordosten Chinas. 

Bestimmung: Die Mauersegler sind bis auf die helle Kehle gänzlich dunkelbraun. Sie haben sichelförmige Flügel und einen kurzen, gegabelten Schwanz. Männchen und Weibchen sehen identisch aus. Wie Wissenschaftler nachgewiesen haben, sind sie jedoch an der Tonhöhe ihrer Rufe zu unterscheiden. 

Größe und Gewicht: Die Flügel haben eine durchschnittliche Länge von  17 cm. Je nach Wetterlage und damit der Verfügbarkeit von Nahrung wiegen die erwachsenen Mauersegler zwischen 36 Gramm (nach dem Ende einer Schlechtwetterperiode) und mehr als 44 Gramm (nach einer längeren Zeit mit schönem Wetter)

Alter: Die Mauersegler können für Kleinvögel sehr alt werden. Es wurde ein Exemplar nachgewiesen, das  21 Jahre alt war. Die Mehrzahl der Vögel die, das erste Lebensjahr überstanden haben werden 6 -10 Jahre alt.


Biotop: Die Mauersegler sind im wesentlichen an Städte und größere Dörfer  mit Steinbauten gebunden. Es existieren jedoch auch Kolonien, die außerhalb von Siedlungen auf Bäumen brüten. Diese sogenannten "Baumbrüter" sind in Deutschland jedoch sehr selten. 

Ankunft im Frühjahr: Anfang April gibt es in Mitteleuropa die ersten Sichtungen von  Mauersegler die sich auf dem Zug in die Brutgebiete befinden. In der Rhein-Main Region und damit in Mainz erscheint die Mehrzahl um den ersten Mai. 

Balz: Kurz nach der Ankunft am Brutplatz beginnt, bei gutem Wetter die Balz. Im Rahmen von "Verfolgungsflügen" jagen die Mauersegler "wild" hintereinander her. Oft wirken solche Balzflüge ansteckend auf die anderen Mitglieder einer Kolonie, sodaß dann größere Gruppen durch die Straßenzüge oder um die Häuser jagen. 

Nest und Nestbau: Haben sich die Partner gefunden, so wird ein Nistplatz gesucht und wenn nötig auch erkämpft. Oft werden Sperlinge und Stare aus den Höhlen vertrieben. 

Der Nestbau beginnt oft schon am Tag nach der Paarbildung. Er endet erst mit dem Beginn der Fütterung der Jungen. Beide Brutpartner sammeln Nistmaterial im Fluge. Vor allem Halme, Blätter, Pflanzenteile, Federn und andere Materialien,  die durch die Luft schweben,  finden Verwendung. Die gesammelten Stoffe werden meist im hinteren Teil der Nisthöhle zusammengetragen. Dort werden sie mit Speichel überzogen und ein Nest mit einer Mulde in der Mitte  gebildet. 

Die meisten Mauersegler-Nester befinden sich in dunklen Höhlen und Nischen an Gebäuden, oft im oder unter dem Dach. Selten werden auch Hohlräume an Brücken und anderen Bauwerken genutzt. 

Einzelne Populationen brüten auch in Spalten und Höhlen von Bäumen. 

Alle Nisthöhlen sind so gelegen, daß sie gut anzufliegen sind. 

Brut:  Die meisten Gelege bestehen aus 2 oder 3 Eiern. Nur selten werden 1 oder 4 Eier gelegt. Beide Brutpartner beteiligen sich zu etwa gleichen Teilen an der Brut. Sobald das letzte Ei gelegt ist brüten die Mauersegler den ganzen Tag. Vorher brüten sie hauptsächlich nachts. Die Brut dauert normalerweise 18-20 Tage. Bei schlechtem Wetter kann sie auch wesentlich länger dauern. 

Die Eier sind weiß und glanzlos. Sie sind elliptisch und ca. 25*16 mm groß. Ihr Gewicht beträgt 3,2 bis 4 Gramm.

Eiablage "Die Eiablage beginnt gewöhnlich etwa 5 Tage nach dem ersten warmen, sonnigen Tag" (Lack 1956 a,b). Sie findet meist früh morgens statt. Die Eier werden i.d.R. im Abstand von 48 Stunden gelegt. 

Nestlingszeit: Die jungen Mauersegler bleiben nach dem Schlüpfen noch ca. 40 Tage im Nest. Da ihr Wachstum jedoch stark von der Witterung abhängig ist ergeben sich Werte zwischen 37 und 56 Tagen.

Kurz nach dem Schlüpfen werden die Jungen von den Altvögeln bereits gefüttert. Die Altvögel schaffen die Nahrung im Kehlsack als haselnußgroßen Futterballen heran. Für ganz junge Nestlinge werden die Futterballen aufgeteilt. Je nach Wetter und Anzahl der Jungvögel wird zwischen 0 und 38 mal am Tage gefüttert. Sobald ein Altvogel das Einflugloch der Nisthöhle erreicht Betteln ihn die Jungen an. 

Nach 2 bis 3 Wochen bewegen sich die Jungen in der Bruthöhle herum und erproben ihre Flügel. 

Die jungen Mauersegler verlassen das Nest und kehren nicht mehr dorthin zurück. Sie verlassen das Nest ca. 1 Stunden nach Sonnenuntergang, vermutlich um der Gefahr durch Greifvögel zu entgegen. Wie Erich Kaiser bewiesen hat, übernachten Sie bereits in dieser ersten Nacht im Flug
 

Kältestarre/Torpor Bei schlechter daß heißt feuchter und kalter Witterung und dadurch bedingtem Nahrungsmangel können die Jungen in eine Kältestarre (auch Torpor genannt) verfallen. Bei diesem Hungerschlaf zehren sie ihre Fettreserven und teilweise sogar einen Teil des Körpergewebes auf. Um Energie zu sparen wird besonders nachts die Körpertemperatur stark abgesenkt und die Atmung um 50 bis 90% verringert. Ältere Junge können auf diese Art 1 bis 2 Wochen überleben, jedoch nur wenn ihre Körpertemperatur nicht unter 20°C sinkt. 

Herbstzug: Ende Juli/Anfang August und damit kurze Zeit nach dem Ausfliegen der Jungen erfolgt der Wegzug aus dem Brutgebiet. Die Zugwege der mittel- und westeuropäischen Populationen gehen über Portugal, Spanien und Nordwestafrika. Dort folgen viele Mauersegler der afrikanischen Atlantikküste,  aber sie überqueren teilweise auch die Sahara. 

Überwinterung: Die Mauersegler überwintern in Afrika südlich der Sahara. Sie befinden sich im Winterquartier soweit bekannt ständig in der Luft und durchstreifen große Räume auf der Suche nach Nahrung. Biotope im Winterquartier sind Regenwälder, Savannen und Steppen. 

Nach einer Hypothese des Kronberger Ornithologen Erich Kaiser ist die Fähigkeit im Flug zu Schlafen in diesem Zusammenhang zu sehen. Während alle anderen Seglerarten in Afrika an Schlafplätze gebunden sind, benötigen die Mauersegler solche Plätze nicht. Sie können deshalb immer den Regenzeiten folgen. 

Die Regenzeiten wandern mit dem höchsten Sonnenstand innerhalb Afrikas von Region zu Region, man nennt dies auch die Innertropische Konvergenzzone. Große Gebiete wie die Steppen und Savannen bieten nur zur Regenzeit ein großes Angebot an Insekten. Dort gibt es jedoch nur sehr wenige Schlaf- und Nistplätze für die afrikanischen Segler, die zudem zu dieser Zeit brüten. Durch ihre Fähigkeit im Flug zu schlafen können sich die Mauersegler große Nahrungsquellen erschließen, ohne in Konkurrenz zu anderen Seglern zu geraten. 

Zyklonaler Wetterflug: Beachtliche Leistungen erbringen die Mauersegler im Rahmen sogenannter zyklonaler Wetterflüge. Beim Aufkommen von Schlechtwetterfronten ziehen viele der Mauersegler vor diesen Wetterfronten her: Sie starten in vielen Fällen bereits wenn die Regengebiete noch  500- 600 km entfernt sind. In Trupps ziehen sie vor dem Regen her in Gebiete in denen sie noch genug Nahrung finden. Später ziehen die Mauersegler auch gegen den Wind durch die Regenfront und sind so die kürzest mögliche Zeit den Regenfällen ausgesetzt. Im Rahmen dieser Wetterflüge an deren Ende die Mauersegler oft wieder zur ursprünglichen Kolonie zurückkehren legen sie teilweise 1000 - 2000 km zurück. An den Wetterflügen nehmen besonders die einjährigen Vögel und die Nichtbrüter statt. Aber auch die Brutvögel beteiligen sich oft an den Wetterfluchten. Die Jungvögel überdauer die Abwesenheit der Eltern oft im Zustand des Hungerschlafes oder Torpor.

Nahrung: Zur Nahrung gehören vor allem Blattläuse, Fliegen, Hautflügler und Käfer, selten werden auch Spinnen erbeutet. Die Insekten und Spinnen werden im Flug gefangen. Als Nahrung für die Jungvögel dienen meist kleinere Insekten, während die Altvögel auch größere Beutetiere fressen.

Aufzucht junger Mauersegler durch den Menschen:  Die Deutsche Gesellschaft für Mauersegler e.V. in Frankfurt hat sich der Pflege und Aufzucht junger Mauersegler verschrieben. Sie sorgt jährlich für die Aufzucht von mehreren Hundert junger Mauersegler die aus dem Nest gefallen sind. Auf ihren Seiten sowie auf den Mauerseglerseiten von Christoph Höwner und Marion Hein-Höwner und natürlich den NABU Seiten erhalten Sie weitere umfangreiche Informationen zu diesem Thema. 

                                          
 

Quellen:

Glutz von Blotzheim, U.N. & K.M. Bauer (1985): Handbuch der Vögel Mitteleuropas, Band 9, S. 670 - 713, Wiesbaden

Einhard Bezzel, (1985) Kompendium der Vögel Mitteleuropas, Nonpasseriformes, S. 672 - 676 Wiesbaden

Erich Kaiser, (2003) Faszinierende Forschung an einem "Hausvogel", Der Falke 50 S. 10 -15, Wiebelsheim

Dr. Günther Michler, Dr. Rheinhard Paesler (1982), Fischer Weltalmanach 1993, S. 294 - 299, Frankfurt

Ulrich Tigges (1995) Kann man Mauersegler gezielt ansiedeln, Der Falke 42, S. 250 - 252, Wiesbaden

Alle anderen zitierten Quellen wurden diesen Werken entnommen. 


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